Erfahrungen mit der GZ 250

Der einzige Test, der mir bekannt ist, steht im MOTORRADFAHRER 5/99:
Schön, dass die Rückkehr zur
 Freiheit so billig sein kann.
...lautet der Schlusssatz.

Oh, my God!

...schreit der Engländer mit schmerzverzerrtem Gesicht. Er sitzt in Brunnen am Vierwaldstätter See direkt an der Straße, hat einen schattigen Platz in der ersten Reihe eines netten Cafés ergattert. Gegenüber der Motorrad-Parkplatz, auf dem auch seine Fireblade steht. Und jetzt das. Gerade noch hat er aus den Augenwinkeln einen kleinen gelben Cruiser erblickt. Marauder. So ´ne Suzuki, wird er gedacht haben. Und dann fährt der Bastard an. Rüüüeng - klack - rüüüüüengkrrk - klack - rüüüüüüüüüüü - klack -engggggrrrrrr.

Nein, satter Sound ist etwas anderes als dieses dünne blecherne Schnarren aus der zu groß geratenen Auspufftüte der GZ 250 Marauder. Der Engländer schaut aus, als sei ihm eine vollbeladene Goldwing über den Fuß gefahren. Und in meinem Kopf kreist eine Mischung aus Grinsen und schamhaftem Bloß-weg-hier. Denn so ein Start an der Uferpromenade gehört sicher zu den Schattenseiten im Dasein eines GZ-Fahrers.

Für wen ist die GZ 250?

Nur für Leute, die sich in einer Beziehung absolut sicher sind: Dass sie nur in der Stadt oder auf Kurzstrecken unterwegs sein möchten. Für Schönwetter- und Gelegenheits-Biker. Bitte beachtet dabei: Die GZ 250 läuft auf flachen Straßen mit ausgewachsenem Fahrer 100 Kilometer pro Stunde. Dazu dreht der Motor aber am Anschlag. Cruiser-typische Gelassenheit ist also nicht angesagt, die Höchstleistung steht schließlich erst bei 8000 Touren an. Das bedeutet in der Praxis: Empfohlen sind zehn Kilometer warmfahren - also keine Höchstleistung abverlangen. Während dieser zehn Kilometer seid Ihr echte Verkehrshindernisse auf der Landstraße, die mit 80 die anderen aufhalten. Am Berg geht über 80 oder 90 eh nichts. In der Gruppe mit anderen Bikern fahren ist da natürlich nicht drin. Und am Treff sollte man eine gute Portion Rutscht-mir-doch-den-Buckel-runter dabei haben. Denn der Motor klingt nach Rasenmäher. Für den Weg zur Arbeit ist die GZ 250 ein bisschen zu teuer mit ihren 7000 Mark. Es gibt in der 125er-Klasse günstige Alternativen, die ihr in den Fahrleistungen nicht oder kaum nachstehen.

Die Vorteile. Soviel Gemecker über meine Suzi! Klar, es gibt auch Vorteile. Die Marauder ist ein schöner, handlicher kleiner Eintopf. Mit zwei Rädern, Motor und Chrom. Und einem breiten Sattel. Mehr braucht’s nicht zum Cruisen. Für die gemütliche Tour am Sonntagnachmittag ist die Suzi gut gerüstet. Ich bin mit ihr in den Alpen gewesen und schon einige Tausend Kilometer gefahren. Obwohl eine XJ 600 neben ihr in der Garage steht, werde ich die GZ 250 wahrscheinlich behalten. Die Kosten sind gering, der Verbauch nach Motorrad-Maßstäben niedrig (so um die 3,5 bis 4 Liter). Und das Schrumpf-Cruiser-Konzept muss man einfach liebhaben.

Die Ergonomie ist o.k. Man sitzt gut, selbst blutige Anfänger kommen mit der Suzi sofort zurecht. Die Tanklogos sind scharfkantig und drücken etwas, sonst gibt es aber wenig auszusetzen.
Unter der Sitzbank gibt’s Helmhalter und ein Fach für Werkzeug, Schloss und Handy. Der obligatorische Schokoriegel passt auch noch rein.

Die Qualität ist ebenfalls gut. Klar, die Kotflügel sind aus (durchgefärbtem) Kunststoff, der Motor ist nur zum Teil sauber poliert, hier und da sieht man, dass der Spartrieb seine matten Spuren hinterlassen hat. Aber Tacho, Kontrollleuchten, Lenker, Armaturen, Tank, Gabel, Scheinwerfer, Kunststoffblenden an der Seite - alles das ist ansehnlich und gut gemacht. Nur die Lackierung ist etwas kratzempfindlich. Mein Tank sieht dank Rucksack ziemlich verschrammt aus. Nach mittlerweile 7000 Kilometern habe ich den ersten dicken Rost entdeckt. Befallen ist das Lenkkopf-Rohr, das von innen komplett rotbraun schimmert.

Reisetauglichkeit. Platz ist auf der kleinsten Suzi. Satteltaschen (ich habe die wasserdichten von Ortlieb) lassen sich gut anbringen - auch ohne Gepäckträger. Ein Tankrucksack sowieso. Das reicht auch für den ausgedehnten Urlaub. Natürlich kaum für zwei Personen, aber das schaffen die 20 Pferdestärken eh nicht. Wind- und Wetterschutz gibt es nicht, wer eine Scheibe anschrauben will, sollte sich über die Konequenzen im klaren sein. Stichworte: Verwirbelungen, schlechtere Fahrleistungen und Sicht.

Alltagstauglichkeit. Meine GZ sprang kürzlich nach zwei Wochen Pause ohne Probleme an. Ihre Garagennachbarin, eine Yamaha, ist schon nach drei Tagen so beleidigt über mangelnde Aufmerksamkeit, dass sie erst nach zehn Minute orgeln erste Lebenszeichen von sich gibt.